{"id":8769,"date":"2016-07-14T13:01:23","date_gmt":"2016-07-14T06:01:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.stepanivanovichkaragodin.org\/?p=8769"},"modified":"2016-07-16T16:56:56","modified_gmt":"2016-07-16T09:56:56","slug":"die-fragen-der-enkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/karagodin.org\/?p=8769","title":{"rendered":"Die Fragen der Enkel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8836\">In English<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=7617\">In Russian<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8750\">In Polish<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong><span style=\"font-size: 8pt;\">Wenn die Aufarbeitung des stalinistischen Terrors ausbleibt, so meint Denis Karagodin, muss sie halt individuell geschehen.<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><strong><span style=\"font-size: 8pt;\">Wird sein Beispiel Schule machen?<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u201eEs gab einen Mord.\u201c Der\u00a0FSB-Beamte im sibirischen Tomsk muss sehr erschrocken sein. Der junge Mann vor ihm lie\u00df nicht locker: \u201eEs gab einen Mord und ich m\u00f6chte wissen, wer die Verantwortlichen sind.\u201c<\/p>\n<p>Der Mord, zu dem Denis Karagodin seit jenem Tag forscht, liegt viele Jahrzehnte zur\u00fcck: Es geht um seinen Urgro\u00dfvater Stepan Karagodin. Der Kosake war Bauer, hatte neun Kinder und wurde in den Jahren des\u00a0Gro\u00dfen Terrors\u00a0unter Stalin vom\u00a0NKWD\u00a0verhaftet und als \u201ejapanischer Spion\u201c erschossen.<\/p>\n<p><!--more-->Stepan Karagodins Schicksal ist kein Einzelfall, genauso wie das seiner Familie: Mehr als eine Million Menschen fielen in den Jahren 1937\/38 dem\u00a0Gro\u00dfen Terror\u00a0zum Opfer. Mehrere Jahre wusste keiner in der Familie Karagodin, wo der Vater war, ob er \u00fcberhaupt noch lebte. Irgendwann Mitte der 1950er Jahre erfuhr die Familie dann, dass Stepan Karagodin \u201erehabilitiert\u201c sei. Da war er schon fast 20 Jahre tot.<\/p>\n<p>Denis Karagodin gibt sich nicht zufrieden mit der \u201eEntschuldigung\u201c aus den 1950er Jahren. \u201eJede Generation meiner Familie hat versucht, sein Schicksal zu rekonstruieren\u201c, sagt er k\u00fcrzlich im Interview mit\u00a0<a href=\"http:\/\/www.svoboda.org\/content\/article\/27803161.html\" target=\"_blank\">Radio Svoboda<\/a>. Karagodin m\u00f6chte die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Sammelt seit Jahren Dokumente, die den Mord an seinem Urgro\u00dfvater belegen, rekonstruiert den Ablauf der Ereignisse und die Namen der Beteiligten. Alles hat er auf seinem\u00a0<a href=\"https:\/\/karagodin.org\/\" target=\"_blank\">Blog<\/a>\u00a0dokumentiert. Denis Karagodin sieht den\u00a0FSB\u00a0als Nachfolgeorganisation des\u00a0NKWD\u00a0in der Verantwortung, und er l\u00e4sst nicht locker.<\/p>\n<p>Iwan Kurilla beschreibt auf\u00a0slon.ru, was Karagodins Nachforschungen f\u00fcr die russische Gesellschaft bedeuten k\u00f6nnten.<\/p>\n<div id=\"attachment_8770\" style=\"width: 1242px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?attachment_id=8770\" rel=\"attachment wp-att-8770\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8770\" class=\"wp-image-8770 size-full\" src=\"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1.jpg\" alt=\"Jahrelang wusste keiner in der Familie, wo Stepan Karagodin war | Stepan Ivanovic Karagodin\" width=\"1232\" height=\"1392\" srcset=\"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1.jpg 1232w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1-257x290.jpg 257w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1-266x300.jpg 266w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1-768x868.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1232px) 100vw, 1232px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8770\" class=\"wp-caption-text\">Jahrelang wusste keiner in der Familie, wo Stepan Karagodin war | Stepan Ivanovic Karagodin<\/p><\/div>\n<hr \/>\n<p>Dieser Tage ging die Geschichte von <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8445\">Denis Karagodin durch die Medien<\/a>: Ein Absolvent der Tomsker Universit\u00e4t, der zu den Todesumst\u00e4nden seines Urgro\u00dfvaters Stepan forscht, Anfang 1938, in der Zeit des\u00a0<em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">Gro\u00dfen Terrors <\/span><\/em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\"><sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-right\">Der Begriff\u00a0Gro\u00dfer Terror\u00a0bezeichnet den H\u00f6hepunkt der stalinistischen S\u00e4uberungswellen. Sch\u00e4tzungen zufolge wurden in den Jahren 1937\/38 ca. 1,5 Millionen mutma\u00dfliche Feinde des stalinistischen Regimes verhaftet. Die Quellenlage ist nicht klar, man geht jedoch davon aus, dass etwa 750.000 Menschen exekutiert wurden. Da es kaum zu Freispr\u00fcchen kam, wurden nahezu alle \u00fcbrigen Opfer des\u00a0Gro\u00dfen Terrors\u00a0in den Lagern des\u00a0Gulag\u00a0und in Gef\u00e4ngnissen inhaftiert.<\/span>]<\/sup><\/span>. Nach der Verurteilung im\u00a0<span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">\u201eProzess gegen die Spionage- und Sabotagegruppe von Harbinern und Deportierten aus dem Fernen Osten\u201c<sup> [Im Zuge der Oktoberrevolution 1917 flohen mehr als 100.000 Gegner der Bolschewiki nach Harbin, das im heutigen China liegt. Im Jahr 1932 okkupierten japanische Streitkr\u00e4fte die Stadt und errichteten das Kaiserreich Mandschukuo. Tausende russische Harbiner und russische Bewohner anderer Mandschukuo-Regionen wurden in die Sowjetunion deportiert. 1937 wurden auf NKWD-Befehl ca.\u00a030.000 der Deportierten verhaftet. Man beschuldigte sie, mit Japan kollaboriert zu haben. Etwa 19.000 Menschen fielen Erschie\u00dfungen zum Opfer.]<\/sup><\/span><em>\u00a0<\/em>sowie als \u201eGruppenf\u00fchrer des japanischen Milit\u00e4rnachrichtendienstes\u201c wurde Stepan Karagodin Anfang 1938 vom\u00a0<em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">NKWD <\/span><\/em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\"><sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-left\">Narodny komitet wnutrennych del\u00a0(dt. Volkskommissariat f\u00fcr Innere Angelegenheiten) war von 1934 bis 1946 der Name des sowjetischen Innenministeriums. Zus\u00e4tzlich zu den normalen Polizeieinheiten war das\u00a0NKWD\u00a0auch f\u00fcr die Geheimpolizei zust\u00e4ndig und daher verantwortlich f\u00fcr zahllose Verbrechen gegen wirkliche oder vermeintliche \u201eKonterrevolution\u00e4re\u201c. Das Ministerium koordinierte au\u00dferdem das Straflagersystem\u00a0GULag.<\/span>]<\/sup><\/span><sup><strong>\u00a0<\/strong><\/sup><a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?page_id=10\">erschossen<\/a>.<\/p>\n<p>Denis ging zum\u00a0<em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">FSB <\/span><\/em><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\"><sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-left\">Als Inlandsgeheimdienst ist der FSB die Nachfolgeorganisation des sowjetischen KGB. Die Abk\u00fcrzung FSB steht f\u00fcr\u00a0Federalnaja Slushba Besopasnosti, auf Deutsch: F\u00f6deraler Sicherheitsdienst.<\/span>]<\/sup><\/span><sup>\u00a0<\/sup>und <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=107\">verlangte<\/a>, Nachforschungen zum Tod seines Urgro\u00dfvaters anzustellen und die Schuldigen an diesem Verbrechen festzustellen. <strong><em>In Russland erscheint ein solcher Schritt naheliegend \u2013\u00a0und gleichzeitig unm\u00f6glich.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>DAS GEBOT \u201eSICH JA RAUSZUHALTEN\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Millionen von Menschen haben in den Jahren des Staatsterrors in der UdSSR ihre Verwandten verloren, bekamen w\u00e4hrend des\u00a0Tauwetters <sup>[Befreiung vom Despoten, zarte Protestkultur und Poeten als Volkshelden: Die Zeit des Tauwetters in den Jahren nach Stalins Tod brachte eine Neudefinition des sowjetischen Lebens. Kultur und Politik erfuhren eine euphorische Phase der Liberalisierung. Doch schon mit der Entmachtung Nikita Chruschtschows setzte eine politische Restaurationsphase ein, die bis zur Perestroika andauern sollte. Heutzutage wird das Tauwetter oft nostalgisch verkl\u00e4rt, unter Historikern ist seine Deutung weiterhin umstritten.]<\/sup>\u00a0der \u00c4ra Chruschtschow l\u00fcckenhafte Informationen zu deren Rehabilitierung \u00a0und dann in\u00a0<span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/michail-gorbatschow\">Gorbatschows <sup>[Geboren 1936 beerbte Gorbatschow 1985 Konstantin Tschernenko als Generalsekret\u00e4r des Zentralkomitees der KPdSU. Seine Reformprogramme Glasnost und Perestrojka \u00f6ffneten die UdSSR f\u00fcr politische und wirtschaftliche Ver\u00e4nderungen, die im \u2013 von ihm nicht angestrebten \u2013 Zerfall der UdSSR m\u00fcndeten. Er leitete das Ende des Kalten Krieges ein, erm\u00f6glichte die deutsche Wiedervereinigung und erhielt f\u00fcr seine Verdienste 1990 den Friedensnobelpreis. Im heutigen Russland werfen ihm viele vor, f\u00fcr den Zusammenbruch der Sowjetunion und die wirtschaftlichen Probleme der 1990er Jahre verantwortlich zu sein.]<\/sup>\u00a0<\/span>Perestroika\u00a0<sup>[Im engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche\u00a0<em>Umgestaltung<\/em>, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgef\u00fchrt wurde. Politische \u00d6ffnung und gr\u00f6\u00dfere Medienfreiheit f\u00fchrten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Ver\u00e4nderung verselbst\u00e4ndigten \u2013 obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Entt\u00e4uschung brachten. Die Perestroika l\u00e4utete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und m\u00fcndete im Ende der Sowjetunion.]<\/sup> ein etwas genaueres Bild \u2013 diesen Verlust erlebten sie <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=5058\">als pers\u00f6nliches Leid<\/a>. Der Staat hatte ihnen die Angeh\u00f6rigen entrissen und diese posthum (oder im Gl\u00fccksfall auch noch zu Lebzeiten, nach Jahrzehnten im\u00a0<em>Gulag<\/em>) von Schuld freigesprochen \u2013 und daf\u00fcr konnte und musste man ihm \u201edanke\u201c sagen.<\/p>\n<p>Die Generation, die die Stalinzeit erlebt hat, hatte den Staat f\u00fcrchten gelernt und ihren Kindern das Gebot mitgegeben, \u201esich ja rauszuhalten\u201c. Eine besondere, fast abergl\u00e4ubische Angst empfanden die B\u00fcrger vor den Organen der\u00a0<span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/staatssicherheit\">Staatssicherheit<\/span><span style=\"font-size: 10px; vertical-align: super;\">[Mit dem Begriff Staatssicherheit ist der Inlandsgeheimdienst FSB (F\u00f6deraler Sicherheitsdienst) gemeint. Die Bezeichnung geht zur\u00fcck auf die sowjetische Vorg\u00e4ngerorganisation KGB, das\u00a0Komitee f\u00fcr Staatssicherheit.].<\/span><\/p>\n<p>Wahrscheinlich war die politische Ruhe der relativ wenig repressiven Breshnew-Zeit teilweise der F\u00fcgsamkeit der Bev\u00f6lkerung zu verdanken. Die wusste aus der Erfahrung ihrer Eltern, dass der Staat anfangen kann zu t\u00f6ten. Kein Wunder, dass allein der Gedanke, Anspr\u00fcche gegen den Staat geltend zu machen, erst dem in der Zeit nach\u00a0Breshnew <sup>[Leonid Breshnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und pr\u00e4gte als erster Mann im Staat fast zwei Jahrzehnte lang das Geschehen der Sowjetunion. Seine Herrschaft wird einerseits mit einem bescheidenen gesellschaftlichen Wohlstand assoziiert, gleichzeitig jedoch auch als \u00c4ra der Stagnation bezeichnet.]<\/sup>\u00a0geborenen Urenkel eines Hingerichteten in den Sinn kam.<\/p>\n<p><strong>VERBRECHEN ALS VERBRECHEN BENENNEN<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Denis Karagodin warf die Frage auf nach der Verantwortung des Staates und der konkreten Terror-Vollstrecker. Und zwar nicht die Frage nach der politischen Verantwortung, \u00fcber die man schon seit dem\u00a0<\/em><\/strong><span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/xx-kpdsu-parteitag\"><strong><em>XX. KPdSU-Parteitag<\/em><\/strong> <sup>[Der XX. Parteitag der\u00a0<em>Kommunistischen Partei der UdSSR<\/em>\u00a0fand vom 14. bis 25. Februar 1956 statt. Er gilt als Anfang der sogenannten\u00a0<em>Tauwetter-Periode<\/em>. Mit einer f\u00fcnfst\u00fcndigen Geheimrede initiierte der Parteichef Nikita Chruschtschow eine Entstalinisierungskampagne. Chruschtschow kritisierte den Personenkult um Stalin und verurteilte die stalinistischen S\u00e4uberungen an Parteimitgliedern aufs Sch\u00e4rfste. Der Parteitag wurde zum Anlass f\u00fcr eine Teilamnestie der inhaftierten Parteimitglieder.]<\/sup><\/span>\u00a0<strong><em>gesprochen hatte, sondern die ganz banale Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung.<\/em><\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_8948\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?attachment_id=8948\" rel=\"attachment wp-att-8948\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8948\" class=\"size-full wp-image-8948\" src=\"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4.jpg\" alt=\"Denis Karagodin\" width=\"1500\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4.jpg 1500w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4-290x193.jpg 290w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4-768x512.jpg 768w, https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/DenisKaragodin_grey-4-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8948\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"https:\/\/karagodin.com\/?p=2900\">Denis Karagodin<\/a><\/p><\/div>\n<p>So ist es doch: <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?page_id=10\">Die Ermordung<\/a> eines unschuldigen Menschen, egal durch wen, verlangt nach Ermittlungen und nach Bestrafung der T\u00e4ter. Falls die T\u00e4ter einen Befehl ausgef\u00fchrt haben, dann muss sich die Strafe <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?page_id=742\">auf die ganze Befehlskette erstrecken<\/a>. Ist seither zu viel Zeit vergangen und aus diesem Befehlsgef\u00fcge niemand mehr am Leben, dann m\u00fcssen in strafrechtlichen Ermittlungen die Namen festgestellt und Verbrechen als Verbrechen benannt werden.<\/p>\n<p><strong>DIE VERGANGENHEIT AUFARBEITEN<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>In Russland hat es weder eine Kommission zur nationalen Vers\u00f6hnung noch ein Tribunal f\u00fcr die Henker gegeben<\/em><\/strong>. Wie\u00a0<span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/alexander-etkind\">Alexander Etkind <sup>[Alexander Etkind (geb. 1955) ist ein russischer Historiker, der als Professor f\u00fcr Russische Literatur und Kulturgeschichte an der Universit\u00e4t Cambridge arbeitet. Zu seinen Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen die Kolonisation Russlands, russische Protestbewegungen sowie Erinnerungskulturen in Osteuropa. Von 2010-2013 leitete er das internationale Forschungsprojekt \u201eMemory at War: Cultural Dynamics in Poland, Russia, and Ukraine\u201c.]<\/sup><\/span>\u00a0in seinem k\u00fcrzlich erschienenen Buch\u00a0<em>Kriwoje gore<\/em>\u00a0[<em>Verzerrtes Leid<\/em>] aufzeigt, hat die russische Gesellschaft daher die Folgen des\u00a0<em>Gulag <\/em><sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-left\">Der Begriff\u00a0Gulag\u00a0steht im weitesten Sinne f\u00fcr das sowjetische Lagersystem und damit f\u00fcr den Terror und den Repressionsapparat, den die kommunistische Partei der Sowjetunion zum Erhalt ihrer Macht aufbaute. GULag ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr\u00a0Hauptverwaltung der Erziehungs- und Arbeitslager. Diese Verwaltungsstruktur existierte von 1922 bis 1956 und unterstand dem sowjetischen Sicherheitsdienst.<\/span>]\u00a0<\/sup>bis dato nicht verarbeitet. Sie schwingen noch mit in Kultur und Wissenschaft, in der Beziehung der Menschen untereinander und der Menschen zum Staat.<\/p>\n<p>Oft hei\u00dft es, eine v\u00f6llige Verurteilung des Stalinismus sei in Russland nicht m\u00f6glich, denn im Unterschied zu Deutschland, wo die Entnazifizierung von den Besatzungsm\u00e4chten vorgenommen wurde, habe die UdSSR keine milit\u00e4rische Niederlage erlitten und sei daher gezwungen, ihre Vergangenheit selbst aufzuarbeiten. Die politische Kr\u00e4ftebalance erlaube es angeblich nicht, die Frage nach den Verbrechen des Staates unter F\u00fchrung der Bolschewiken zu stellen.<\/p>\n<p>Verfechter der stalinistischen Sowjetunion reduzieren den Streit oft auf die Opferzahlen: Sind die nicht \u00fcbertrieben? Waren es wirklich Millionen und nicht eher nur Hunderttausende Get\u00f6tete? Als w\u00fcrde die Verlagerung der Diskussion in den Bereich der Statistik es obsolet machen, \u00fcber das tragische und kriminelle Erbe des Staates zu sprechen.<\/p>\n<p><strong>KONKRETES SCHICKSAL STATT TROCKENE STATISTIK<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Denis Karagodin hat nun sein Modell der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung vorgeschlagen: pers\u00f6nliche Ermittlung und eine pers\u00f6nliche Klage wegen T\u00f6tung seines Urgro\u00dfvaters<\/em><\/strong>. Das ist ein <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?page_id=4892\">konkretes Schicksal<\/a>, keine trockene Statistik. Die Archive des\u00a0<em>FSB<\/em>\u00a0bergen Geheimnisse von Spitzeln und Henkern \u2013 ob sie wohl auf die Forderung eines B\u00fcrgers hin ge\u00f6ffnet werden?<\/p>\n<p><em><strong>Es ist zu erwarten, dass die Geschichte Karagodins Vorbildwirkung hat<\/strong><\/em>. Auch Angeh\u00f6rige anderer in den Jahren des Terrors Verurteilter k\u00f6nnten vor Gericht ziehen. Dass der Staat darauf mit Einverst\u00e4ndnis reagiert, ist nicht gesagt. <strong><em>Womit aber will er begr\u00fcnden, solche Ermittlungen zu verweigern?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In der Sowjetzeit war Angst das Hauptargument. Heute wird sich die Judikative, um solche Ermittlungen zu umgehen, irgendeine juristisch fachkundige Antwort \u00fcberlegen m\u00fcssen, <strong><em>die ihrerseits Ansto\u00df f\u00fcr eine Diskussion innerhalb der Gesellschaft sein kann<\/em><\/strong>. Jener Diskussion, die es bei uns weder in den 50er- noch in den 80er-Jahren gab.<\/p>\n<p><strong>\u201eGROSSE GESCHICHTE\u201c UND FAMILI\u00c4RES GED\u00c4CHTNI<\/strong><\/p>\n<p>In den 80er-Jahren fand die Entstalinisierung in den Medien und bei Aktivisten statt. Vielen kam das vor wie eine Art Propaganda: Journalisten schrieben \u00fcber\u00a0<span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">Repressionen <sup>[Im Russischen wird\u00a0<em>repressii\/repressirowan<\/em>[<em>Repressionen\/Repressionen ausgesetzt sein<\/em>] allgemeinsprachlich sehr h\u00e4ufig mit \u201epolitischen Verfolgungen\u201c und \u201everfolgt sein\u201c gleichgesetzt. Der Begriff bezieht sich auf die Zeit der Sowjetunion, vor allem unter Stalin.]<\/sup><\/span>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.memo.ru\"><em><span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/memorial\">Memorial<\/span><\/em><\/a>\u00a0<sup>[Eine international aktive russische Menschenrechtsorganisation. 1987\/88 u. a. von dem Wissenschaftler und Dissidenten Andrej Sacharow gegr\u00fcndet, widmet sich Memorial der historischen Aufarbeitung der politischen Repressionen und der sozialen F\u00fcrsorge f\u00fcr \u00dcberlebende des Arbeitslagersystems Gulag. Auch aktuell setzt sich Memorial f\u00fcr die Wahrung der Menschenrechte ein. Die Organisation ist regelm\u00e4\u00dfig Ziel von Einsch\u00fcchterungs- und Behinderungsversuchen seitens der russischen Beh\u00f6rden.]<\/sup> sammelte Dokumente von Verfolgten, doch im Grunde blieben die B\u00fcrger \u201eKonsumenten\u201c dieser Informationen und hatten sie irgendwann satt (beteuern jedenfalls jene, die sich gegen eine neuerliche Diskussion zur sowjetischen Vergangenheit aussprechen).<\/p>\n<p>Jetzt aber geht es um die Rekonstruktion von Familiengeschichte, und in diesem Zusammenhang kann die Entstalinisierung zu einer pers\u00f6nliche Angelegenheit von Hunderttausenden Staatsb\u00fcrgern werden.<\/p>\n<p>Erinnerungsforscher bemerkten vor einiger Zeit, dass das Interesse der Russen an ihren famili\u00e4ren Wurzen rasant ansteigt. Genealogische Forschungen, Familienchroniken, das Durchforsten von Dokumentenarchiven, Geburtsurkunden und Gr\u00e4bern der Vorfahren verbreiteten sich \u00fcberall in Russland, in ganz unterschiedlichen sozialen Schichten. Den Platz des \u201eGeschichtslehrbuchs\u201c nimmt immer \u00f6fter die Familiengeschichte ein \u2013 als Teil der Landesgeschichte. Und wenn es in diesen Familiengeschichten noch offene, aufgeschlagene Seiten gibt, dann versucht die Enkelgeneration, diese endlich zu schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>VIELSCHICHTIGER ALS EIN GESCHICHTSLEHRBUCH<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Website von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.memo.ru\"><em><span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/memorial\">Memorial <\/span><\/em><\/a><sup><span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/memorial\">[<\/span><span class=\"ph_autolink ph_blurb_gnose instapaper_ignore entry-unrelated\" data-href=\"\/de\/gnose\/memorial\">Eine international aktive russische Menschenrechtsorganisation. 1987\/88 u. a. von dem Wissenschaftler und Dissidenten Andrej Sacharow gegr\u00fcndet, widmet sich Memorial der historischen Aufarbeitung der politischen Repressionen und der sozialen F\u00fcrsorge f\u00fcr \u00dcberlebende des Arbeitslagersystems Gulag. Auch aktuell setzt sich Memorial f\u00fcr die Wahrung der Menschenrechte ein. Die Organisation ist regelm\u00e4\u00dfig Ziel von Einsch\u00fcchterungs- und Behinderungsversuchen seitens der russischen Beh\u00f6rden.]<\/span><\/sup>\u00a0finden sich immer mehr Informationen zu Verfolgten, die Sparte wird oft angeklickt. Die Initiative\u00a0<em><a href=\"http:\/\/www.poslednyadres.ru\"><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">Posledni Adres<\/span><\/a>\u00a0<\/em>[<em>Letzte Adresse<\/em>] <sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-right\">Das Projekt\u00a0Posledni Adres\u00a0(dt.\u00a0Letzte Adresse) ist eine junge B\u00fcrgerinitiative, die an diejenigen Menschen erinnert, die in der Zeit der Sowjetunion Opfer politischer Repressionen wurden. \u00c4hnlich dem deutschen Pendant der\u00a0Stolpersteine\u00a0werden die Namen der Opfer auf einer handfl\u00e4chengro\u00dfen metallischen Gedenktafel eingepr\u00e4gt. Mit entsprechenden biografischen Daten versehen werden diese Tafeln an den H\u00e4usern angebracht, in denen die Verfolgten bis zu ihrer Deportation gelebt haben.<\/span>]<\/sup> montiert auf die Bitte Angeh\u00f6riger hin Schilder an H\u00e4user, wo Opfer des Staatsterrors abgeholt wurden. Diese wirkungsvolle Bewegung zur Aufarbeitung der Familiengeschichte ist etwas ganz anderes als der Kampf der Intelligenzija in den Medien um das richtige Verst\u00e4ndnis der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Das neue Gedenken ist komplexer und vielschichtiger als ein Geschichtslehrbuch.<\/p>\n<p><em><strong>Es gibt eine deutliche Parallele zwischen dem Fall Karagodin und der Aktion\u00a0<a href=\"http:\/\/moypolk.ru\"><span class=\"ph_autolink instapaper_ignore entry-unrelated\">Bessmertny polk<\/span><\/a><\/strong>\u00a0[Unsterbliches Regiment] <\/em><sup>[<span class=\"ph_autolink_teaser instapaper_ignore entry-unrelated visible-left\">Eine Aktion, die im Jahr 2012 im sibirischen Tomsk ihren Anfang nahm: Bei den Feierlichkeiten zum\u00a0Tag des Sieges\u00a0pr\u00e4sentieren Menschen in einer Prozession Portraits von Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg gek\u00e4mpft haben. Der Name der Aktion spielt auf die Bezeichnung einer milit\u00e4rischen Einheit an:\u00a0Unsterbliches Regiment. Mittlerweile finden \u00e4hnliche Aktionen auch in anderen L\u00e4ndern statt \u2013 nicht nur im postsowjetischen Raum.<\/span>]<\/sup>. In beiden F\u00e4llen wenden sich Nachkommen ihrer Familiengeschichte zu; sie schreiben ihre Gro\u00dfv\u00e4ter in die Geschichte des Landes ein und betrachten die Geschichte des Landes mit den Augen ihrer Gro\u00dfv\u00e4ter. Im Fall des\u00a0<em>Unsterblichen Regiments<\/em>\u00a0entschloss sich der Staat, die Initiative der B\u00fcrger zu unterst\u00fctzen. Wird er bereit sein, auch andere Initiativen zu unterst\u00fctzen? K\u00f6nnen B\u00fcrger den Staat dazu bringen, sich zu ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde gern dran glauben, dass es auf diese Fragen eine positive Antwort gibt.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u041e\u0440\u0438\u0433\u0438\u043d\u0430\u043b<\/strong>:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\"<a href=\"https:\/\/slon.ru\/posts\/69755\">\u041d\u0430\u0437\u043e\u0432\u0438\u0442\u0435 \u0438\u043c\u0435\u043d\u0430 \u043f\u0430\u043b\u0430\u0447\u0435\u0439. \u041a\u0430\u043a \u0432 \u0420\u043e\u0441\u0441\u0438\u0438 \u0432\u043e\u0437\u0440\u043e\u0436\u0434\u0430\u0435\u0442\u0441\u044f \u043f\u0430\u043c\u044f\u0442\u044c \u043e \u043f\u0440\u043e\u0448\u043b\u043e\u043c.<\/a>\" \u2013 <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/ivan.kurilla.9\">\u0418\u0432\u0430\u043d \u041a\u0443\u0440\u0438\u043b\u043b\u0430<\/a>\u00a0<sup>(\u043f\u043e \u0437\u0430\u043a\u0430\u0437\u0443\u00a0\u0418\u043e\u0441\u0438\u0444\u0430 \u0424\u0443\u0440\u043c\u0430\u043d\u0430 \u2013 \u0441\u0442\u0430\u0440\u0448\u0435\u0433\u043e \u0440\u0435\u0434\u0430\u043a\u0442\u043e\u0440\u0430\u00a0<a href=\"http:\/\/slon.ru\">Slon.ru<\/a>)<\/sup>\u00a0\u2013 21 \u0438\u044e\u043d\u044f 2016 \u2013\u00a0\u00a9\u00a0<a href=\"http:\/\/slon.ru\">Slon.ru<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u00dcbersetzung<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00dcbersetzung (gek\u00fcrzt) \u2013 29.06.2016 \u2013\u00a0\u00a9\u00a0<a href=\"http:\/\/www.universitas.org\/Ruth.ALTENHOFER\">Ruth Altenhofer<\/a>\u00a0<sup>(<a href=\"http:\/\/www.universitas.org\">Universitas Austria<\/a>)<\/sup> \u2013 \"<a href=\"http:\/\/www.dekoder.org\/de\/article\/die-fragen-der-enkel-stalin-terror-sowjetunion-aufarbeitung\">Die Fragen der Enkel<\/a>\" \u2013\u00a0\u00a9\u00a0<a href=\"http:\/\/www.dekoder.org\">DEKODER GGMBH<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Lizenz<\/strong><br \/>\nWenn Sie verwenden, m\u00fcssen Sie auf die Quelle zu verweisen \u2013\u00a0\u00a9 <a href=\"http:\/\/karagodin.org\">KARAGODIN.ORG<\/a>\u00a0<sup>[<a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8769\">https:\/\/karagodin.org\/?p=8769<\/a>]<\/sup><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn die Aufarbeitung des stalinistischen Terrors ausbleibt, so meint Denis Karagodin, muss sie halt individuell geschehen. Wird sein Beispiel Schule machen?\r\n\r\n\u2013 Denis Karagodin warf die Frage auf nach der Verantwortung des Staates und der konkreten Terror-Vollstrecker. Und zwar nicht die Frage nach der politischen Verantwortung, \u00fcber die man schon seit dem XX. KPdSU-Parteitag gesprochen hatte, sondern die ganz banale Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung.\r\n\r\nIn Russland hat es weder eine Kommission zur nationalen Vers\u00f6hnung noch ein Tribunal f\u00fcr die Henker gegeben. \r\n\r\nDenis Karagodin hat nun sein Modell der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung vorgeschlagen: pers\u00f6nliche Ermittlung und eine pers\u00f6nliche Klage wegen T\u00f6tung seines Urgro\u00dfvaters. \r\n\r\nEs ist zu erwarten, dass die Geschichte Karagodins Vorbildwirkung hat. Auch Angeh\u00f6rige anderer in den Jahren des Terrors Verurteilter k\u00f6nnten vor Gericht ziehen. \u2013 <a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8769\">\u041f\u043e\u0434\u0440\u043e\u0431\u043d\u0435\u0435 <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a>","protected":false},"author":4,"featured_media":8770,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"episode_type":"","audio_file":"","transcript_file":"","podmotor_file_id":"","podmotor_episode_id":"","cover_image":"","cover_image_id":"","duration":"","filesize":"","filesize_raw":"","date_recorded":"","explicit":"","block":"","itunes_episode_number":"","itunes_title":"","itunes_season_number":"","itunes_episode_type":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[34,32,31,33],"tags":[],"series":[],"speaker":[],"class_list":["post-8769","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-in-german","category-otklik","category-pressa","category-rup"],"episode_featured_image":"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/karagodin-stepan-ivanovich-2-1.jpg","episode_player_image":"https:\/\/karagodin.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/podcastRU-scaled.jpg","download_link":"","player_link":"","audio_player":false,"episode_data":{"playerMode":"dark","subscribeUrls":{"amazon":{"key":"amazon","url":"https:\/\/music.amazon.co.uk\/podcasts\/45353b57-02a6-458e-a94f-ef4f83536372","label":"Amazon","class":"amazon","icon":"amazon.png"},"apple_podcasts":{"key":"apple_podcasts","url":"https:\/\/podcasts.apple.com\/ru\/podcast\/\u0440\u0430\u0441\u0441\u043b\u0435\u0434\u043e\u0432\u0430\u043d\u0438\u0435-\u043a\u0430\u0440\u0430\u0433\u043e\u0434\u0438\u043d\u0430\/id1612348354","label":"Apple Podcasts","class":"apple_podcasts","icon":"apple-podcasts.png"},"castbox":{"key":"castbox","url":"","label":"CastBox","class":"castbox","icon":"castbox.png"},"google_podcasts":{"key":"google_podcasts","url":"https:\/\/podcasts.google.com\/feed\/aHR0cHM6Ly9rYXJhZ29kaW4ub3JnLz9mZWVkPXBvZGNhc3Q?sa=X&ved=2ahUKEwju5PrH0pLwAhXpMVkFHfhKAd4Q9sEGegQIARAC","label":"Google Podcasts","class":"google_podcasts","icon":"google-podcasts.png"},"patreon":{"key":"patreon","url":"","label":"Patreon","class":"patreon","icon":"patreon.png"},"spotify":{"key":"spotify","url":"https:\/\/open.spotify.com\/show\/6zM1QjwtbwV22s4SkcAvDj","label":"Spotify","class":"spotify","icon":"spotify.png"},"vkontakte":{"key":"vkontakte","url":"https:\/\/vk.com\/podcasts-117023554","label":"VKontakte","class":"vkontakte","icon":"vkontakte.png"},"yandex":{"key":"yandex","url":"https:\/\/music.yandex.ru\/album\/9598353","label":"Yandex","class":"yandex","icon":"yandex.png"},"youtube":{"key":"youtube","url":"https:\/\/www.youtube.com\/karagodinorg","label":"YouTube","class":"youtube","icon":"youtube.png"}},"rssFeedUrl":"https:\/\/karagodin.org\/?feed=podcast&podcast_series=podcast","embedCode":"<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"3QDQcGJj6K\"><a href=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8769\">Die Fragen der Enkel<\/a><\/blockquote><iframe sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" src=\"https:\/\/karagodin.org\/?p=8769&#038;embed=true#?secret=3QDQcGJj6K\" width=\"500\" height=\"350\" title=\"\u00abDie Fragen der Enkel\u00bb &#8212; \u0420\u0430\u0441\u0441\u043b\u0435\u0434\u043e\u0432\u0430\u043d\u0438\u0435 \u041a\u0410\u0420\u0410\u0413\u041e\u0414\u0418\u041d\u0410\" data-secret=\"3QDQcGJj6K\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\" class=\"wp-embedded-content\"><\/iframe><script type=\"text\/javascript\">\n\/* <![CDATA[ *\/\n\/*! 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