Ein Akt des Friedens und der Versöhnung.

In Russian
In English
In German
In Polish

Die Enkelin des Henkers hat den Urenkel um Verzeihung gebeten, dessen Urgroßvater von ihm getötet würde. Der Urenkel reichte ihr die Hand der Versöhnung und schlug vor, die Sache auf "Null" zu setzten, in der Hoffnung, damit den unendlichen russischen Bürgerkrieg zu beenden.


Veröffentlichet am Montag, 21. November, 2016 um 15.50.

In der Nacht vom 19. auf den 20. November 2016 haben wir einen Brief erhalten von der Enkelin von ZYRJANOV Nikolaj Ivanovich – einem Henker der Tomsker Stadtdienststelle NKVD, der Stepan Ivanovich KARAGODIN am 21. Januar 1938 in Tomsk getötet hat und noch mindestens 35 weitere Menschen am selben Tag.

In ihrem Brief schrieb Julia, dass sie erst durch unsere Publikationen davon erfahren habe, wer ihr Großvater wirklich war, was sie tief schockierte. Bei dem Versuch sich von dieser Erschütterung zu erholen, hatte sie angefangen sich genau mit den Materialien der Ermittlungsseite vertraut zu machen. Nachdem sie unsere dritte Publikation gelesen hatte (s. a. die zweiten), hielt sie es nicht mehr aus und schrieb uns.

In ihrem Brief schreibt Julia (mit der Genehmigung des Autors werden einzelne Ausschnitte veröffentlicht):

„Ich schlafe bereits mehrere Nächte nicht, weil ich einfach nicht kann... Ich habe alle Materialien studiert, alle Dokumente, die es auf Ihrer Website gibt, ich habe über so viele Dinge nachgedacht, retroperspektiv betrachtet und mich erinnert... Ich verstehe, dass ich nicht schuld bin an dem was passiert war, aber die Gefühle die ich empfinde sind nicht in Worte zu fassen...“

„Der Vater meiner Großmutter (die Mutter meiner Mutter), meinen Urgroßvater, wurde aus dem Haus geholt, denunziert, in den selben Jahren wie auch ihren Urgroßvater. Er ist nie wieder nach Hause zurückgekehrt. Er hatte vier Töchter von denen meine Großmutter die jüngste war... So stellt sich nun heraus, dass es in einer Familie sowohl Opfer als auch Täter gab... Es ist sehr bitter dieses zu begreifen, sehr schmerzlich... Ich werde mich nicht von der Geschichte meiner Familie abwenden, egal wie diese auch sein mag. Mir wird der Gedanke helfen das Ganze zu verarbeiten, in dem ich mir Bewusst werde, dass nicht ich, nicht alle meine Verwandten, dich ich kenne, an die ich mich erinnere und die ich liebe, an diesen Gräueltaten beteiligt gewesen waren, die in diesen Jahren geschahen...“

„Nichts kann das wiedergutmachen, was solche Menschen getan haben... Die Aufgaben der nächsten Generationen ist es diese Dinge nicht totzuschweigen. Die Dinge und Ereignisse müssen bei ihren Namen genannt werden. Das Ziel meines Briefes an Sie ist, Ihnen einfach zu sage, dass ich nun über eine solche schändliche Seite meiner Familiengeschichte informiert bin und ich bin ganz und gar auf Ihrer Seite.“

Aber bei uns wird sich in der Gesellschaft nichts ändern, wenn nicht die ganze Wahrheit ans Licht gebracht wird. Denn nicht einfach so gibt es wieder Stalinisten und Stalindenkmäler. Dies geht mir nicht in den Kopf, es sträubt sich gegen jede Vernunft.“

„Ich würde Ihnen gerne noch so Vieles schreiben und erzählen, aber das Wichtigste habe ich gesagt – mir ist alles sehr peinlich, ich empfinde einen physischen Schmerz. Und es ist bitter, dass ich nichts ändern kann außer die Verwandtschaft zu Zyrjanov N. I. zu gestehen und Ihren Urgroßvater in meine Gebete in der Kirche mit einzuschließen.“

Ich danke Ihnen für Ihre immense Arbeit, die Sie für die schwerwiegende Wahrheit gemacht haben. Es bleibt die Hoffnung, dass die Gesellschaft endlich nüchtern wird, dank solcher Menschen wie Sie. Ich danke Ihnen noch einmal und sage, dass es mit leidtut!

In der Anlage zu dem Brief befand sich ein Foto des Henkers der Tomsker Stadtdienststelle des NKVD ZYRJANOV Nikolaj Ivanovich, sowie sein Pass und sein Gewerkschaftsausweis des NKVD UdSSR (die Dokumente, die wir auch geplant hatte zu eruieren und auch eruiert hätten). Dieses Attachment war mit den Worten begleitet „Sie werden auf der Suche Zeit verlieren“.

Wir übersendeten Julia Materialien zu ihrem Großvater. Dies waren Dokumenten aus der Zeit, als er bereits Mitglied der KPdSU war, Hauptmann (später Major) der Justizwache, Vorsitzender des Militärtribunals der Roten Armee währende des Zweiten Weltkrieges.

Das folgende Antwortschreiben war beigelegt:


Der Enkelin von Zyrjanov Nikolaj Ivanovich – dem Henker der Tomsker Stadtdienststelle des NKVD NSO des ZSK UdSSR, der Stepan Ivanovich Karagodin am 21. Januar 1938 getötet hatte in der Stadt Tomsk.

Julia,

Sie haben mir einen sehr aufrichtigen und herzlichen Brief geschrieben. Dies ist eine sehr mutige Tat. Ich bedanke mich bei Ihnen aufrichtig. Ich sehe, dass Sie ein guter Mensch sind! Ich bin sehr froh, dass Sie so sind. Und ich bin stolz darauf Ihnen diesen Brief zu schreiben, ohne dass es mich in der Seele quält. In mir werden Sie keinen Feind oder Verächter finden, sondern nur einen Menschen, der ein für alle Mal diese ewige blutrünstige russische Banja beenden will. Das muss ein für alle Mal beendet werden. Und ich denke, dass es eben in unseren Kräften liegt, dies zu tun.

Ich reiche Ihnen die Hand der Versöhnung, so schwer es mir momentan auch fallen mag (nach all dem was ich nun weiß und woran ich mich erinnere). Ich schlage Ihnen vor, die Situation wieder auf Null zu setzten. Sie haben mit Ihrem Brief das Wichtigste getan – sie waren aufrichtig und das ist mehr als genug für alles.

Leben Sie weiter mit einer reinen Seele und was noch wichtiger ist, mit einem reinen Gewissen. Nicht ich und auch keiner von meinen Verwandten wird Ihnen je etwas vorhalten. Sie sind ein guter Mensch – dass sollten Sie wissen.

Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen...

Ich bin froh, dass ich in meinem Leben noch einen weiteren fabelhaften Menschen kennengelernt habe – nämlich Sie.

Danke!

Hochachtungsvoll,
Denis Karagodin (Urenkel).

KARAGODIN.ORG

20. November 2016,
Tomsk, Russland.


Die Publikation fand in beiderseitigem Einverständnis statt.


Оригинал:

"Акт гражданского согласия и примирения" – 21 ноября 2016, © KARAGODIN.ORG

Übersetzung

Übersetzung – 20.03.2017 – © Katharina Katschalkin.

Lizenz
Das Material darf frei verwendet werden mit einem verpflichtenden Verweis auf die Quelle – © KARAGODIN.ORG – URL: https://karagodin.org/?p=13556

Последнее обновление: Вторник, 30 мая, 2017 в 13:09

ПОДДЕРЖИТЕ НАШУ РАБОТУ
Решаемая задача [ сейчас ] – поднятие из российских архивов данных сотрудников НКВД и политического руководства СССР, принимавших участие в массовых убийствах 1937-1938 годов. Сведения собираются на основе архивов ФСБ, МВД, ФСИН, Военных и областных прокуратур, политических и муниципальных архивов. С вашей поддержкой, мы сделаем больше! 

Поддержать Расследование КАРАГОДИНА

С вашей поддержкой, мы сделаем больше!

plan_select

Расчетное: ₽ 500,00

Итого: ₽ 500,00

Ежемесячно: ₽ 500,00

Или введя данные карты ниже

Поделиться ссылкой в: